Altes Rathaus

Wangen zählte zu den reichsten Orten des Oberamtes. Nicht zuletzt ist dies noch an einigen Fachwerkhäuser abzulesen. Eines davon wurde leider vor 140 Jahren abgebrochen: das alte Rathaus. An der Landstraße Stuttgart-Esslingen gelegen, wo die Schulstraße und die Hirschgasse zusammentrafen, stand es an einem Verkehrsknotenpunkt.

Außer dem Ratssaal beherbergte es das »Zuchthäusle«, in das für ein paar Stunden oder Tage jeder gesteckt werden konnte, der gegen die Gemeindeordnung verstoßen hatte. Außerdem war genügend Raum, das Heu und Stroh für den gemeindeeigenen Farren und die Ledereimer der Feuerwehr aufzubewahren. Eine Wohnung gab es nicht, da der Schultheiß, immer einer der reichsten Männer des Ortes, in seinem eigenen Haus wohnen blieb. Im Türmchen auf dem Dach hing die Rathausglocke, mit der bei Feuer Alarm geschlagen wurde. Auch das außenliegende Holztreppenhaus ist in Wangen nicht selten gewesen. Bemerkenswert ist der Torbogen für die Schulstraße (heute Ravensburger Straße). 
Leider beschloss der Gemeinderat unter Schultheiß Karl Gottlieb Mäulen im Jahr 1846 den Abriss des Gebäudes. An seiner Stelle entstand ein quadratischer Bau, der bis heute erhalten blieb und ab 1945 die Polizeiwache beherbergte. Es kann schon noch vorkommen, dass ein alter Wangener vom Rathaus spricht, obwohl er nicht das heutige Rathaus in der »Krone« meint, sondern die ehemalige Polizeiwache in der Ulmer Straße. 

Fachwerkhaus – ältestes Wohnhaus

Welcher Wangener kennt es nicht? Zusammen mit dem Fachwerkgebäude im Höhberg zählt es zu den schönsten Häusern aus der Vergangenheit des Ortes. Es ist noch gar nicht lange her, dass ganze Schulklassen mit dem Skizzenblock davor saßen und das Fachwerk studierten. Doch ganz so alt, wie man vermutet, ist das Gebäude gar nicht. Nach einer auf einem Foto überlieferten Jahreszahl entstand das Haus 1558, war aber im Lauf der Jahrhunderte so baufällig geworden, dass es 1938 bis auf die Grundmauern abgetragen werden musste.

Dem Einfühlungsvermögen des Architekten ist es zu verdanken, dass sowohl das Fachwerk als auch verschiedene Details, wie der verzierte Tragstein, erhalten blieben. So ist dieses stattliche Gebäude auch heute noch ein Zeuge aus der Zeit, in der Wangen einen guten Ruf als Weinort bei Klöstern und Herrscherhäusern gehabt hat.

Das obenstehende Foto wurde von Robert Bothner, dem Fotomeister der Landesbildstelle und selber ein Wangener, vor dem Abbruch des Hauses etwa im Jahre 1935 aufgenommen. Wer das Bild mit dem heutigen Aussehen vergleicht, wird einige Veränderungen im Fachwerk feststellen können.

St. Christophorus

In diesem Geschichtsteil haben wir vor allem über Dinge geschrieben, die uns an frühere Jahre erinnerten. Doch wollen wir unseren Rundgang nicht beenden, ohne einen kurzen Abstecher in das »jüngere« Wangen zu machen. 
Kaum ein Haus im Dreieck Wasen- Insel- Geislinger Straße ist vor 1900 gestanden. Um 1928 spielte sich hier sogar ein regelrechter Bauboom ab. Auch ging mit dem Bau der Christophorus Kirche im Jahr 1936 ein langgehegter Wunsch der Katholischen Kirchengemeinde in Erfüllung. Leider fiel sie schon 8 Jahre später den Bomben zum Opfer, wurde aber 1948 wieder aufgebaut.

Sie darf als Wahrzeichen oder Zentrum dieses Bezirkes gelten. Entscheidend für die Bebauung dieses Ortsteiles, war die Bändigung des Neckars. Wie oft hatte er früher Felder und Wiesen überschwemmt, ja ganze Flächen mit sich gerissen. Erst die Neckarbegradigung um 1840, zahlreiche Dammbauten und zuletzt der Neubau des Neckarkanals um 1920, hatten die Voraussetzungen geschaffen, dass das »junge« Wangen entstehen konnte.

Kelter

Was wäre der »untere Flecken« ohne die Kelter! Mit ihrem riesigen Dach und dem Platz um sie herum, demonstriert sie noch heute ihre Wichtigkeit in der Ortsgeschichte. Abgesehen davon, dass schon einige Vorschläge diskutiert wurden, was mit dieser kostbaren Fläche besser anzufangen sei, hat sie ihre ursprüngliche Bestimmung bis heute behauptet.

Aber auch den verschiedenen Gemeindefesten bietet sie gerne Unterschlupf. Ihr sehenswertes Gebälk und der charakteristische Duft geben eine vorzügliche Kulisse dafür ab.

Nach einer Holztafel, die um 1950 entdeckt wurde, entstand das Gebäude unter Herzog Eberhard Ludwig durch seinen »Werkmeister« Peter Hertzler im Jahr 1713. Doch steht urkundlich fest, dass 400 Jahre früher an gleicher Stelle das Kloster Bebenhausen schon eine Kelter besaß, die später um 200 Gulden an den Grafen Ulrich von Württemberg überging. Schließlich hatte dieser hier die besten Weingärten und den größten Grundbesitz. Leider ist von den 7 Kelterbäumen nichts mehr zu sehen. Sie sind von den Holzpressen und später von der hydraulischen Presse verdrängt worden. Trotzdem lohnt sich ein Besuch. Sehen Sie doch einfach mal hinein, wenn in Herbstzeiten die Türen weit geöffnet sind.

Schillerlinde

Es gibt auf der Wangener Gemarkung kaum ein Gebäude oder eine Besonderheit, die so bekannt ist, wie die Schillerlinde. Schon als kleine Buben sind wir sonntags zur Schillerlinde hinaufgeschnauft, haben im Dürrbach nach Fröschen und Kaulquappen gesucht und zum Abschluss des anstrengenden Mittages auf den Bänken bei der Schillerlinde uns ausgeruht und die Aussicht genossen. Ganz abgesehen davon, dass bei überraschenden Regengüssen die Hütte bei der Schillerlinde oftmals der einzige rettende Ort war.

Diese segensreiche Unterstehhütte mitsamt dem markanten Baum haben wir dem Verschönerungsverein der Stadt Stuttgart zu verdanken. Er wurde 1861 gegründet und hat rund um Stuttgart viele schöne Plätze gerichtet und interessante Gebäude erstellt. Auch der Aussichtspunkt Staibhöhe geht auf sein Konto. Doch wir wollen heute nicht die Geschichte des Verschönerungsvereins beschreiben, sondern nur die Väter der Schillerlinde erwähnen.
Wohl in Zusammenhang mit der Eingemeindung unseres Ortes nach Stuttgart am 1.4.1905 war man im Verschönerungsverein auf den Gedanken gekommen, dem städtischen Zuwachs auch von dieser Seite etwas Gutes zu tun.

Wir dürfen aus der Vereinschronik folgende Auszüge zitieren: Anlässlich der 100. Wiederkehr von Schillers Todestag wurde vom Verschönerungsverein auf der Wangener Höhe vor dem Walde eine kleine Anlage geschaffen mit einer Hütte und dort am 12. Mai 1905 eine Schillerlinde gepflanzt. Zu deren Weihe fand eine kleine Feier statt, bei der das Ausschussmitglied Lotter die Festrede hielt und anschließend einige prächtige Strophen vortrug, die von Dr. v. Schönhardt zu der Feier übergeben worden waren. Die Anlage liegt 390 m Über dem Meer und wird am besten von der Geroksruhe her erreicht auf dem Weg nach Wangen, bis der Wegzeiger links ab der Schillerlinde zuweist.

2.157 Mark hat diese Anlage damals gekostet, im Vergleich zum Hasenbergturm mit seinen 26.000 Mark eine preiswerte Sache. Außer dem Privatier Carl Lotter, der die Strophen des langen Gedichtes von Dr. Karl von Schönhardt, Staatsrat und Generalstaatanwalt vortragen durfte, meldete sich auch noch der damalige Vereinsvorstand, Oberforstrat Keller zu Wort und fügte einen beachtenswerten Mahnspruch an: „Hochgepflanzte Schillerlinde  mögst du stolz zum Himmel ragen tausend Jahre im Abendwinde Blütenduft zu Tale tragen!  Friede, Freiheit, Wahrheit wohne in der Schillerheimat Schwaben, solange deine Silberkrone  müde Wandrer wird erlaben!  Wie die neuen Blätter jährlich wachsen an den vielen Zweigen, mögen Freunde nicht zu spärlich unserem Verein sich zeigen.“

Es hat nicht ganz tausend Jahre gereicht. Nicht nur Menschen hat dieser Baum angezogen sondern auch Blitze. Sein markanter Standort war sicher schuld daran. So konnte auch die moderne Baumchirurgie nicht verhindern, dass der vor etlichen Jahren gespaltene Stamm krank wurde. Aus Sicherheitsgründen mussten nun die starken Äste entfernt werden. Der entstandene Torso hat in diesem Jahr wieder kräftig ausgetrieben und kann sich vielleicht noch einmal aufrappeln, doch ein stolzer Baum wird es nicht mehr werden.

Michaelskirche

Anno Domini 1250 … , so könnte die Geschichte unseres Kirchleins beginnen. Keine gewaltigen Mauern, keine kunstreichen Fenster oder wertvollen Gemälde zeichnen es aus. Doch hat die malerische Lage, auf einer Anhöhe über dem Ort, schon von jeher Besucher angelockt. Wer es versteht, etwas genauer hinzusehen, entdeckt dann auch manches Interessante. Der massige Turm, um 1700 aufgestockt, weist noch Schießscharten auf, die an die unruhigen Zeiten des 30-jährigen Krieges erinnern.

Die Wehrmauer, vor allem auf der Bergseite noch gut erhalten, sorgte für den Schutz der Dorfbewohner bei den vielen Händeleien zwischen Esslingen und Württembergern.

Das Kirchenschiff wurde mehrmals umgebaut, zuerst aufgestockt, dann nach Süden erweitert und 1903 mit Treppenhäusern für die Emporen versehen. Durch den Neubau des Pfarrhauses im Jahr 1971 veränderte sich die Umgebung der Kirche sehr stark. Mancher trauert noch heute um das alte Pfarrhaus, das mit seinem breiten Giebel so gut zur alten Kirche gepasst hatte.

Michahel est patronus

Eine Urkunde über den Bau der Kirche besitzen wir leider nicht. Doch weist der Turm mit seinen Maßen und Steinmetzzeichen in die Zeit um 1250. Vermutlich stand an dieser Stelle schon früher eine Holzkirche, war doch der Weg zur Martinskirche auf der Altenburg in Cannstatt vor allem winters recht beschwerlich. Dass dieses Gebäude St. Michael geweiht wurde, beweist die Inschrift am Turmfuß: »Michahel est patronus«. Der aufmerksame Besucher wird sie nicht übersehen, wenn er den Kirchhof durch den großen Rundbogen betritt.

Ob auch die Steinfigur auf der Südseite des Turmes mit dem Namen der Kirche zu tun hat, ist fraglich. Vielleicht soll sie den Erzengel Michael darstellen oder an einen verunglückten Steinmetzen erinnern? Da ist die Inschrift schräg unterhalb der Steinfigur schon eindeutiger: Josua Bollinger. Hier hat sich der Sohn von Pfarrer Bollinger verewigt. Dies erinnert uns an die Zeit um 1500, als die ersten evangelischen Pfarrer unter schweren Bedingungen ihr Amt versahen.