SKS Kunstfreunde auf den Spuren von Mario Schifano
Er gilt als das italienische Pendant zu Andy Warhol, feierte mit den Rolling Stones und bannte das Flimmern der ersten Fernsehapparate auf die Leinwand: Mario Schifano (1934–1998). Dem facettenreichen Universum dieses Ausnahmekünstlers widmete das SCHAUWERK Sindelfingen mit „When I Remember“ die erste umfassende Retrospektive in Deutschland. Mittendrin: Die Kunstfreunde der SportKultur Stuttgart, die bei einer exklusiven Führung tief in Schifanos wilde Kunstwelt eintauchten.
Geführt von der Kunstvermittlerin Damaris Wurster erlebte die Stuttgarter Gruppe eine visuelle Zeitreise durch vier Jahrzehnte Kunstgeschichte. Schifano sprengte zeitlebens alle stilistischen Grenzen. Ob monumentale, monochrome Flächen aus seiner New Yorker Epoche, mit Begegnungen und Austausch mit Rock Stars sowie Berühmtheiten der lokalen Kunstszene wie Andy Warhol, Frank Kline und Frank O’Hara, farbgewaltige Pop-Art-Landschaften oder politisch aufgeladene Statements zum Vietnam- und Golfkrieg – Schifanos Werk ist so unberechenbar wie faszinierend. Mal melancholisch leise, mal bunt und völlig überdreht.
Besonders Schifanos Pioniergeist begeisterte die Besucher: Als absoluter „Tausendsassa“ fotografierte er schon früh flimmernde TV-Bilder ab und verwandelte flüchtige, flimmernde Medienmomente in monumentale, dauerhafte Wandcollagen. Auch das Kino hatte es ihm angetan: Für seinen Experimentalfilm „Umano non umano“ – Menschlich unmenschlich – (1969) holte er sich prompt Mick Jagger und Keith Richards vor die Kamera. Die Rolling Stones revanchierten sich auf dem Album „Let it bleed“ wiederum mit dem Song „Monkey Man“ – eine Widmung an Schifano, die allerdings auch die düsteren, von Drogensucht geprägten Kapitel seines Lebens beleuchtet.
Am Ende des Rundgangs stand für die Stuttgarter Kunstfreunde fest: „When I Remember“ ist ein echter Augenöffner. Die Ausstellung würdigt ein hierzulande noch viel zu wenig bekanntes Genie und zeigt eindrucksvoll, wie modern Schifanos Umgang mit Medien und Erinnerungskultur bereits vor Jahrzehnten war – eine absolute Schlüsselfigur der europäischen Moderne.
Text und Foto:Norbert Klotz


